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Wanderung : Nächster Halt Sibiu : Tue 2 Dec 2008 : , ,

Ein Landstrich Namens Crinţ

Im Oktober war ich mit meiner damaligen Mitbewohnerin ein kurzes Stück am Rande des Cindrelgebirges wandern. Dabei sahen wir aus der Ferne Bergwiesen mit kleinen Scheunen darauf. So entstand die Idee, einmal dorthin zu wandern und bei so einer Scheune bzw. Bauernhof zu übernachten. Also einfach nur mit Iso-Matte und Schlafsack eines dieser Objekte aufsuchen und nach Absprache mit den Menschen dort übernachten. Und solange zu suchen, bis man einen Platz zum Übernachten gefunden hat. Diese Ausflugsidee konstruierte ich damals nur für eine kleine Gruppe von zwei bis drei, vielleicht auch vier Personen. Und diese Idee ließ mich lange Zeit einfach nicht los.

Anfang Oktober hatte ich eine Wanderung für eine größere Gruppe organisiert und mir danach vorgenommen, dies zu wiederholen. So will ich versuchen, alle zwei Monate einen Wochenendausflug zu organisieren.
Mit dem Ziel, auch anderen Personen etwas von Land und Leuten zu zeigen, soll jeweils am Samstag und Sonntag auf unterschiedlichen Strecken gewandert werden. Die Strecke entscheidet dann über die Art der Übernachtung – mal in einem Pfarrhaus, einem Gästehaus, in einer Scheune oder im Sommer vielleicht unter freiem Himmel. Soweit wie möglich setze ich die ganze Zeit der Tour über auf Selbstverpflegung. Denn der gemeinsame Einkauf der Zutaten, die gemeinsame Zubereitung der Mahlzeiten am Herd im Gästehaus oder am Campingkocher im Freien fördert nebenbei auch die Gruppenkommunikation. Je nach Anlass oder Ziel geht die Einladung für so eine Wanderung an eine geschlossene Gruppe von Interessenten oder die Teilnahme ist offen für jedermann.

Genau so eine Wochenendwanderung sollte es also Mitte November wieder geben. Da mich die Idee des Ausfluges in das Cindrelgebirge und Übernachtens auf einen kleinen Bauernhof weiterhin nicht losließ, fiel es mir nicht schwer, ein Ausflugsziel zu wählen.


Nur das Problem der Übernachtung galt es zu lösen, da ich nicht vorher sagen konnte, wieviel Personen an der Wanderung teilnehmen würden. So schaute ich mir unzählige Male das Gelände des Zielgebietes mit dem Programm Google Earth an. Erstens, um das Gelände zu erkunden und zweitens, um eine mögliche Unterkunft zu finden. Wieviele Häuser gibt es in Crint, ist vielleicht eine Cabana darunter?
Mit der noch ungeklärten Übernachtung gab ich dem Ausflug den Beinamen “experimentelle Wanderung” und gab den Teilnehmern auch zu verstehen, dass es nichts für schwache Nerven sei. Denn im besten Fall würden wir alle in einer Cabana übernachten oder aufgeteilt in Gruppen bei den Dorfbewohnern, in Scheunen, Hütten oder gar im Freien. Auf letzte Möglichkeit war natürlich nicht zu hoffen, da es genau am Tag der Wanderung einen Wintereinbruch gab. Bis zum Tag der Wanderung konnte ich keine Unterkunft organisieren, hatte aber durch Gespräche von einer Art Militärcamp und einer Cabana erfahren, aber leider zu beidem keine Telefonnummer gefunden.

Zu Zwölft trafen wir uns an jenem Samstagmorgen in Sibiu am Busbahnhof und fuhren mit dem Bus nach Gura Raului. In Sibiu und auch in Gura Raului nieselte es leicht und von weitem waren die Berge mit Wolken verhangen. Aus vorangegangenen Wanderungen kannte ich ein Drittel der örtlichen Gegebenheiten und wusste, dass der Weg langsam in höhere Lagen führt und auch die Temperaturen sinken, wir also später auch Schnee haben würden. Später, nach etwas mehr als zwei Stunden Fußmarsch, hatten wir diese Schneegrenze erreicht. Was vorher Nieselregen war, wurde nun zu Schneeflocken und spätestens hier zog auch der letzte seine Winterjacke an oder verbarg seinen Rucksack unter einer Regenhülle. Der Schnee verwandelte die vor uns liegenden Wälder und Wiesen in eine Märchenlandschaft. Oben auf dem Kamm ließ uns der eisige Wind nicht in Ruhe und so manches Getränk in den mitgenommenen Wasserflaschen gefror.

Karte
Gegen drei Uhr am Nachmittag erreichten wir ein großes baumloses Gebiet, an welchem wir die nächsten zwei Stunden entlang wandern würden. Hier sahen wir zum ersten Mal jene Wiesen mit den kleinen verstreuten Höfen bzw Scheunen. Vereinzelt unternahmen wird kurze Abstecher zu diesen Häusern, um leider feststellen zu müssen, dass diese in den Wintermonaten oft leer stehen bzw. nur gelegentlich bewohnt werden. Dabei fanden wir auch eine halb offene Scheune, die uns in der größten Not Unterschlupf geboten hätte. Da es aber bis Crint der Karte nach nicht mehr weit sein sollte, liefen wir weiter. Die nächsten 30 bis 40 Minuten ging es immer weiter nach oben, einige Male machten wir Rast, um die Aussicht zu geniesen und zu essen oder um etwas zu verschnaufen. Nur einseitig von Bäumen geschützt, blies uns der Wind heftig entgegen. Und je weiter die Zeit voran schritt, desto kälter wurde es. Die Kälte war es auch, die uns die Pausen immer weiter verkürzen ließ. Man fror beim Essen schneller an den Fingern und kühlte unter den Jacken schneller aus. Wo bis dahin ein T-Shirt unter der Winterjacke ausgereicht hatte, zog ich nun auch einen dünnen Pullover darüber.

Der Schnee hatte uns ein beachtliches Stück ausgebremst, sodass wir an der entsprechenden Weggabelung im Dunkeln ankamen und diese Wegmarkierung übersahen. Einige von uns sahen glücklicherweise aber nahe Lichter, sodass wir später zu dieser Stelle zurückkehrten, denn einige waren schon ein weites Stück vorausgegangen.

Von weitem hatten wir nur zwei Straßenlaternen gesehen, und auch sonst war es im Ort recht dunkel. Daher nahmen wir im Ort nur eine Handvoll der sowieso schon wenigen Häuser war. Noch in Sibiu hatte mir eine Bekannte von einem Militärcamp erzählt und ohne es zu suchen, standen wir plötzlich davor. Eine hell erleuchtete Kantine und Mannschaftsräume waren von Außen sichtbar. In der Nähe hörten wir zwei Stromgeneratoren, die die verschiedenen Häuser und wohl auch die Straßenlaternen mit der nötigen Energie versorgen.
Bis wir uns aber durch Klopfen im Inneren der Gebäude bemerkbar machen konnten, vergingen wohl fünf Minuten. Entgegen aller Befürchtungen hatten wir im Nu eine Unterkunft. In einem der Bungalows mit genau zwölf Betten bezogen wir unser Quartier für diese eine Nacht. Für den Ofen bekamen wir noch Holz und mussten für die Unterkunft nichts bezahlen. Durch die mitgenommenen Lebensmittel, Geschirr und Campingkocher hatten wir warmen Tee und Kaffee bzw. abends und früh etwas Warmes zu essen.

Am Sonntagmorgen brachen wir nach der Reinigung der Hütte zwischen 9 und 10 Uhr auf. Der Weg führte unmittelbar in den Wald, sodass wir nicht die Möglichkeit hatten, uns die Landschaft um Crinţ herum bei Tageslicht anzuschauen. Nach einem relativ kurzen Fußmarsch von zweieinhalb Stunden stets bergab erreichten wir das Dorf Sibiel.



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2 Responses to “Ein Landstrich Namens Crinţ”




  1. Rumänien und ich - ich und Rumänien Says:

    Es geht voran…

    Es geht voran – auf Arbeit aber auch in der Beziehung von mir und Rumänien. Es wird so langsam mit der Sprache und somit kann ich auch im Projekt immer mehr machen, aber auch mehr schwierige Stellen entdecken. Die Zeit nutze ich auch um Rumänien weit…

  2. Webnews.de Says:

    Ein Landstrich Namens Crinţ…

    Im Oktober war ich mit meiner damaligen Mitbewohnerin ein kurzes Stück am Rande des Cindrelgebirges…

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