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Wanderung : Nächster Halt Sibiu : Fri 26 Sep 2008 :

Die Besteigung des VF.Moldoveanu Ende Juli 2008

Vor den Schilderungen (welche eher den Charakter von Notizen haben) hier einige Ortsbezeichnungen vom Weg unserer Bergwanderung:
Anfahrt am Freitag mit dem Auto bis zum Kloster/Manastirea Sâmbata (Complexul Sambata).
Aufstieg bis zur Cabana Sâmbetei und Ankunft im Dunkeln nach 22.00 Uhr.
Samstag von der Cabana über Fereastra Mare, Hartopul Ursului nach Vistea Mare und Aufstieg zum Vf. Moldoveanu.
Sonntag nochmaliger Aufstieg zum Vf. Moldoveanu und Abstieg über Portita Vistei nach Vistisoara. Und zurück zum Manastirea Sâmbata.

Cabana Valea Sâmbatei, Schlafplatz für 20 Lei, relativ teuer und nicht sehr einladend. Ich bezeichne mich nicht als sehr anspruchsvoll, wenn es um einen Schlafplatz geht. Aber in dieser Cabana war es nahe an der Grenze zum “Bösen”.
Es war unklar, wer oder was die Pritschen vor uns benutzt hat, und ohne meinen Schlafsack, sprich einer schützenden “Hülle”, hätte ich mich nicht in eines dieser Betten gelegt. Dagegen war die Unterkunft während der zweiten Nacht in der Schutzhütte/Refugiul Portita Vistei weitaus einladender, obwohl viel spartanischer eingerichtet.

Während unserer Wanderung von der Cabana Valea Sambatei, über das Fereastra Mare zum Gipfel Moldoveanu und später nach Vistisoara begegneten wir immer wieder Schafherden – mal oben auf den Bergkämmen und auch in den Tälern. Hirten mit ihren Herden in dieser Umgebung vorzufinden ist für mich immer wieder erstaunlich. Fernab der Zivilisation auf über 2000 m Höhe ist das Leben sehr einsam und nicht sehr einfach. Die Schafe müssen morgens und abends gemolken werden. Es ist sicherlich mit großer Mühe verbunden, jeden Tag die Milch ins Tal, in den nächsten Ort zu bringen. Daher wird oben in den Bergen die Milch oft zu Käse verarbeitet. Für den Transport des Käses oder von Nahrungsgütern für die Hirten sind die Esel zuständig.

Genau über dem Bergkamm zeigt sich uns ein interessantes Naturschauspiel. Durch das Zusammentreffen zweier Luftmassen entsteht vor uns eine Wolkenwand. Aus dem Süden strömt in hohem Tempo erwärmte Luft nach Norden, während aus dem Norden nur langsam feuchte und schwere Wolkenfelder nach Süden ziehen. Und genau auf dem Bergkamm begegnen sich beide Luftströmungen und bilden eine Wolkenwand. Gestoppt durch die warme Strömung aus dem Süden steigen die Wolken senkrecht, wie eine Säule, nach oben.
Jedoch lässt die warme Luftströmung aus dem Süden im Laufe des Samstagnachmittags nach, so dass immer mehr Wolken die Sicht verdecken.

Müll. Biologische Abfälle in der Natur zu entsorgen hat ja durchaus seine Berechtigung. Jedoch für die Plastik- und Metallabfälle, welche bei einer Wandertour anfallen können, gibt es für viele (rumänische) Wanderer noch keine geeignete Entsorgungsmöglichkeit bzw. nur eine: den Müll dort zu lassen, wo man sich gerade befindet.
So gab es 5 m neben dem Refugiul Portita Vistei einen kleinen, aber doch stetig wachsenden Müllberg. Was nicht mehr gebaucht wurde, landete einfach auf dem Hügelchen. Vielleicht rechnet einfach jeder damit, das der Müllhaufen typisch rumänisch verbrannt wird. Möglicherweise wird er ja wirklich alle zwei Monate verbrannt – wobei diese Vorstellung Erinnerungen an den dritten Teil des Kinofilmes “Herr der Ringe” hervorruft (die Signalfeuer auf den Bergen…).
Am dritten Tag unserer Bergtour hatte ich sogar die Ehre und wurde von einem Wanderer gefragt, ob er den Müll neben der Schutzhütte lassen dürfte. Leicht aufbrausend verneinte ich dies und warf noch einen Satz hinterher wie: “…er möge den Müll mit nach unten nehmen…” und “…wenn jeder das machen würde…”. Für den Fragesteller war dies kein Problem und er verstaute den Müllbeutel im Rucksack.
In Hörweite saß ein Mann mit seiner Tochter beim Frühstück. Es war deutlich, dass er dem kurzem Gespräch zugehört hatte. Sein Gesichtsausdruck deutete jedoch in keiner Weise darauf hin, dass er meiner Meinung war. Fünf Minuten später brachte die Tochter den Müll der beiden zur “Müllhalde”.
Für so manchen Rumänen ist es scheinbar kein Problem, eine 2-Liter-Bierflasche auf eine Höhe von 2300 m zu tragen. Aber die leere Flasche wieder mit nach Unten zu nehmen, ist bedeutend schwerer.

Eine Gruppe älterer Herren, welche ebenfalls mit Zelt und Schlafsack die Nacht in der Schutzhütte bzw. im Zelt nebenan verbrachten, gab uns einige Hinweise zum Aufstieg zur Spitze und zum Abstieg in Richtung der Stadt Victoria. Der Ratschläge waren jedoch alle für Wanderer ohne Gepäck bzw. mit halbleeren Rucksäcken – wie eben diese älteren Herren. So waren diese zwar freundlich, aber ständig am “Ausborgen” von Zigaretten und Feuerzeugen, einigen Schlucken Tuica oder dem Kocher. Dabei würden diese Herren öfters Ausflüge dieser Art unternehmen, sagten sie. Entweder schlecht vorbereitet oder gewußt wie…

Noch am Samstag um die Mittagszeit konnten wir uns in 2 km Höhe sonnen. Vor unseren Augen erstreckten sich weitläufige Täler und Gebirgsketten – ein Ausblick auf eine scheinbar unberührte Natur. In den Köpfen entstehen vereinzelt Wünsche nach mehr Zeit und weiteren Unternehmungen. Einige von uns hätten am liebsten sofort die weiteren Täler und Berge erkundet. Nur die Zeit dafür hatten wir nicht.
Etwas später zog es für den restlichen Samstag zu. Vorüberziehende Wolken veränderten ständig die Sicht. Daher war bis zum frühen Samstagabend unklar, ob wir den Varful Moldoveanu noch besteigen sollten.

Moldoveanu. Vom Refugiu aus scheint der Gipfel des Vf. Moldoveanu zum Greifen nah und in unserer durch Überheblichkeit geprägten Vorstellung ist die Erstbesteigung nur 20 min weit. Tatsächlich dauerte der Aufstieg als Gruppe allein bis zum Vorgipfel schon mehr als 20 min. Ein Wegweiser gibt von dort aus noch einmal 15 min bis zum höchsten Berg Rumäniens an.

Die Abendsonne und die sich in Bewegung befindenden Wolken verändern ständig das Bild. Mal sind die Bergspitzen in rötliches Licht gehüllt oder die Sonne ist durch die Wolkenschichten als roter Ball zu sehen. Auf dem Gipfel dürfen das obligatorische Gruppenfoto mit dem Kreuz und die Einzelfotos nicht fehlen. Wir sind nicht lang allein. Selbst in den Abendstunden ist hier ein Kommen und Gehen.
In dieser Bergwelt scheint die Natur unserem gewohnten Verständnis von Größe einen Streich zu spielen. Kaum sind Menschen nur zehn Gehminuten entfernt, erscheinen sie wie einzelne Punkte. Nur durch die farbige Kleidung ist überhaupt ein Mensch zu erkennen.
So ist vom Vorgipfel des Moldoveanu auch das Refugiu zu sehen und ringsherum sich langsam bewegende bunte Punkte.
Später nach dem Abstieg gibt es ein warmes Abendessen und einen Tuica als Tagesabschlusstrank.

Am Ende dieser Bergtour können die meisten aus unserer Gruppe auf zwei Besteigungen des Gipfels zurückblicken. So bestieg am Sonntag Vormittag erneut ein Teil von uns den Gipfel. Wie die Gruppe älterer Herren vorhergesagt hatte, hatte es über Nacht aufgeklart und die Sicht ließ keine Wünsche offen.

Nach dem Abstieg vom Moldoveanu und einem Picknick bewegen wir uns auf den Abgrund zu. Ohne Zwischenstation führt uns der Weg von über 2300 m Höhe auf 500 m nach unten – erst steil, im Zickzack über Geröllfelder, dann eher gemächlich an einem Bach entlang, vorbei an einer Schafherde und den bellenden Hirtenhunden.
Die nächsten drei Stunden folgen wir einem Trampelpfad entlang des Baches. Durch viele kleine Zuflüsse gewinnt der Bach an Größe. Mal stürzt das Wasser eine kleine Felsschlucht hinunter, ein anderes Mal wird es wieder gestaut. Stellenweise lädt das klare Wasser des Gebirgsbaches zum Baden bzw. zum Hineinspringen nur so ein. Jedoch ist der Weg bis Vistisoara noch weit und unsere Zeit knapp.

Bilder von Marie Preis.



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One Response to “Die Besteigung des VF.Moldoveanu Ende Juli 2008”




  1. Flug Says:

    Wunderschön!!! Da ist wie ein Paradies und da diese Gegend touristisch nur wenig erschlossen ist, konnte sich dort die Flora und Fauna, welche für die Transsilvanischen Alpen charakteristisch ist, in ihrer ursprünglichen Form halten.
    Aber ich habe auch etwas schlimmes gehört…der Berg ist derzeit ein gefährdetes Naturgebiet, da sich viele einheimische Besteiger und ausländische Rucksacktouristen wenig Gedanken um den Umweltschutz machen.
    Sehr toller Blog übrigens!!!

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