Straßenkinder – es gibt sie weiterhin. Aber aus dem Straßenbild der Innenstadt sind sie fast verschwunden. An den U-Bahn-Stationen oder am Bahnhof halten sie sich oft auf. Vor einigen Jahren waren sie die Plage an jeder Ampelkreuzung. Kinder, oft scheinbar nur im Schlafanzug, liefen bettelnd von Auto zu Auto, manchmal auch mit einem kleinen Hund oder Schaf auf den Armen. Auch heute noch sind sie oft in Gruppen organisiert und haben später die erbettelten und/oder ergaunerten Gelder und Nahrungsmittel bei der Mutter oder dem Bandenchef abzuliefern.
Gelegentlich kann/konnte man an den Ampeln oder auf den Parkplätzen der Supermärkte ganz normale Kinder betteln sehen. Auf diesen Zug aufspringend ging es bei ihnen um die Erhöhung ihres Taschengeldes.
Außerdem gibt es die Kinder und Jugendlichen, welche durch das aufdringliche Putzen der Autoscheiben Geld verdienen wollen.
Menschen sah ich in Bukarest sehr viele – jedoch noch nie so viele auf einen Schlag wie am 1. Dezember, dem Nationalfeiertag. An beiden Seiten der Straßen zwischen dem Haus der Presse/Casa Presei Libere und dem Piata Victoriei. Wie eine Wand, dicht gedrängt, etwa zwei Meter dick, ist jeder nur gekommen, um die Militärparade zu sehen. Die Vorführung des rumänischen Militärs empfand ich als eine lächerliche Vorführung mit oft alten Gerätschaften.
“Bukarestmüde” war ich eigentlich nie. Zeitweise war ich froh, das Wochenende über auf’s “Land” zu fahren, zu wandern, Freunde treffen, hatte aber keine Gedanken in der Art wie “sch… wieder zurück nach Bukarest”.
Ich fuhr zurück nach Bukarest, in meine Stadt. Dort wohnte ich, hatte mich mit ihr identifiziert
Ob ich irgendwann wieder zurück nach Bukarest ziehen würde? Wahrscheinlich nicht. Bukarest war meine Stadt. Ich habe mit Bukarest als “Wohnort” abgeschlossen. Die Besuche in Bukarest heute, danach: ich kenne mich aus.
Ich komme mit Zählen gar nicht hinterher: wie oft ich manche Kreuzung überquert und dabei die Leute beobachtet habe, früh, mittags oder nachts. Ich kann mich sehr gut an die mir bekannten Personen, deren Wohnungen und die hinführenden Straßen erinnern, aber ich bin nur noch zu Besuch hier. Die Bezeichnungen mancher Straßen verschwinden schon wieder aus dem Kopf.

April 10th, 2008 at 22:01
leider war ich auch nur ein Fisch, nein ein Nomade in diesem Schwimmbecken!
Ich liebe diese, noch vor Moskau unwirklichste Stadt die ich in meinem Leben kennenlernen durfte so sehr!
Wer weiß ob ich in diese Stadt zurückkehren werde um das Schwimmbecken zu verlassen…ein Traum ist es auf jeden Fall!
Toller Bericht über diese tolle Stadt mit seinen tollen Menschen!
May 5th, 2008 at 18:22
Hallo Markus
Ich finde Du hast Bukarest sehr treffend beschrieben. Ich verstehe nicht wie man es da so lange aushalten kann ohne auch agressiv und frustriert zu werden.
Lese gerne in Deinem Blog. Mach bitte weiter.
Mihai