Oft wurde von einer Vervielfachung des Autoverkehrs gesprochen. Obwohl ich ständig mit dem Auto unterwegs war, kann ich hierzu keine Beobachtung liefern. In den Medien wurde von einer jährlichen Zunahme der Autozulassungen im zweistelligen Prozentbereich gesprochen. Dagegen gab es einen Rückgang der Autos aus kommunistischer Produktion. Möglich machte dies eine Subvention der Regierung beim Abmelden eines alten Fahrzeuges und die Möglichkeit, Autos über eine Art Leasing zu erwerben.
Wie in jeder größeren Stadt gibt es in Bukarest Uhrzeiten, in denen Fahrten in bestimmte Richtungen wegen zu hohem Verkehrsaufkommen zu vermeiden sind. Morgens zwischen 9 und 11 Uhr rollen Tausende Autos aus dem Süden in den Norden. In die andere Richtung, vom Piata Victoriei zum Piata Unirii, geht es spätestens ab 17 Uhr nur noch im Schritttempo voran. Es gibt noch eine Zeit, in der eine Autofahrt weniger stressig ist: die Ferien. Jeder Autofahrer freut sich darauf wenn weniger Autos unterwegs sind und möchte gar nichts vom baldigen Schulbeginn hören.
Bukarest ist in keinster Weise für solch eine große Anzahl von Autos ausgelegt. Damit war in der Zeit vor der Revolution auch nicht zu rechnen. Es gibt nur wenig gute Ausweichstraßen in der Rush Hour.
Wer aus Richtung Brasov kommt und nach Constanta möchte, hat zwei Möglichkeiten: durch Bukarest oder die zweispurige Umgehungs- bzw. Ringstraße zu nutzen. Beide sind im Moment keine akzeptablen Wahlmöglichkeiten. Wenn nicht gerade Wochenende ist, sind auf der Umgehungsstraße viele LKWs unterwegs.
Es war im Sommer 2006, als es einen Streik der Taxifahrer gab. Ich hätte dieses Spektakel gern aus der Luft gesehen. Vom Süden, dem Parcul Tineretului, über den Piata Roma zum Piata Arcul de Triumf war Bukarest durch ein gelbes Band in zwei Hälften geteilt. Über die Mittagszeit hinweg gab es keine Möglichkeit zwischen diesen Punkten in den Osten oder Westen zu fahren.
An den Hausfassaden in der Innenstadt und an den Straßen nach Bukarest sind oft große Werbetafeln zu sehen. Oft wird auf diese Weise für neue Wohngebiete geworden. Eines der Argumente ist die schnelle Erreichbarkeit des Zentrums. Von fünf oder zehn Minuten wird da oft gesprochen. Ich kann darüber nur den Kopf schütteln.
Bukarest hat in den drei Jahren erheblich an Größe gewonnen. Nicht nur, dass der ehemalige Bürgermeister zum Präsidenten des Landes aufstieg, endlich etwas Dampf machte und so doch noch der EU-Beitritt möglich wurde.
Auch die bebaute Fläche von Bukarest vergrößerte sich. Man könnte es vielleicht mit dem Frühling vergleichen, wenn überall die Gräser und Knospen an den Bäumen sprießen. An vielen Ecken in der bisher abgesteckten Stadt entstanden neue mehrstöckige Wohnhäuser und noch größere Bürogebäude. Neue “alles in einem”-Malls schossen aus dem Boden – inner- und außerhalb der Stadt.
Drei Jahre Beobachtung der Entwicklung eines Straßenzuges: Geschäfte eröffnen und schließen, auf knapp 1 km Länge eröffnen Bankhäuser neue Filialen. Auf 75 m Straßenlänge drängen sich drei dieser Geschäftsstellen. Versicherungsbüros und Apotheken werden aus dem Boden gestampft. Ich kann mich nur schwer erinnern, welches Geschäft sich vor zwei Monaten dort befand. Kleine Zeitungs-, Secondhand- oder Fotoläden geben den Kampf auf. Möbelgeschäfte, Reisebüros und exquisite Klamottenläden versuchen statt dessen ihr Glück.

April 10th, 2008 at 22:01
leider war ich auch nur ein Fisch, nein ein Nomade in diesem Schwimmbecken!
Ich liebe diese, noch vor Moskau unwirklichste Stadt die ich in meinem Leben kennenlernen durfte so sehr!
Wer weiß ob ich in diese Stadt zurückkehren werde um das Schwimmbecken zu verlassen…ein Traum ist es auf jeden Fall!
Toller Bericht über diese tolle Stadt mit seinen tollen Menschen!
May 5th, 2008 at 18:22
Hallo Markus
Ich finde Du hast Bukarest sehr treffend beschrieben. Ich verstehe nicht wie man es da so lange aushalten kann ohne auch agressiv und frustriert zu werden.
Lese gerne in Deinem Blog. Mach bitte weiter.
Mihai