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Wanderung : Nächster Halt Sibiu : Tue 19 Feb 2008 : , ,

Keiner zu Haus in Gherdeal/Gürteln

Im Frühjahr 2004 hörte ich das erste mal von dem Dorf Gherdel (dt.:Gürteln, ung.:Gerdaly) in Rumänien. Das kleine Dorf in Siebenbürgen war der Handlungsspielplatz des Filmes “Gherdeal”, den ich 2004 in Dresden sah.
Drei Jahre später, 2007 im Oktober hatte ich das Glück mit einem Teil der damaligen Filmcrew das Dorf zu besuchen. In verschiedenster Weise beeindruckt schrieb ich damals einen Artikel über diesen Besuch: “Verlassen, Gherdeal
Im Januar 2008 lass ich in einer Zeitung von einem Feuer in jenem Dorf. Ein Haus war abgebrannt, und ich wollte wissen welches. An einem Samstag morgen, einige Wochen später ging die Fahrt los. Mit dem Zug nach Oltet. Und zu Fuß über Rucar nach Gherdeal. Verirrt haben wir uns anfangs erheblich. Nur durch einen glücklichen Zufall fanden wir das Dorf.
Quer über die Felder kommend, führte uns der Weg am orthodoxen Friedhof vorbei.

Einige Reisig- und Blumenkränze waren neu. Im Oktober hatte ich mich mit einem 83-jährigen Mann unterhalten. Er hatte damals von seiner Frau und ihrem doppel Grab erzählt. Das einzige Grab auf dem Friedhof mit einem gemeinsamen Bild des Ehepaares.Thumbs 2008 02 02 Gherdeal Wanderung 16 in Keiner zu Haus in Gherdeal/Gürteln
Nun lagen die Reisig- und Blumenkränze auf der anderen Grabseite. Mein Gesprächspartner vom Oktober war Anfang Dezember Heim gegangen.
Wir verweilen etwa eine Stunde in Gherdeal. In dieser Zeit zählen wir sechs Personen. Insgesamt zählt dieses Dorf aber nur noch acht ständige Einwohner.Und fast ebenso viel Kleintiere wie Hunde und Katzen. Tiere die sich brennend für unser Mittagsbrot interessieren und dazu stinken wie die Pest.
Nur durch einen Zufall treffen wir Johannes Onghert an. Er erzählt von seinem Vater Georg im Altenheim in Sibiu/Hermannstadt, der kurz vor Weihnachten gestorben ist.

Das abgebrannte Haus von welchem ich in der Zeitung lass, befand sich auf der anderen Seite des Dorfes. Gleich neben des Hauses von Helmut, dem Bruder Johannes. Niemand war zu Schaden gekommen.

Auf dem Weg zurück in die Zivilisation, nach Bruiu (dt.: Braller, ung.: Brulya ), blieb uns leider die arg schlammige Straße nicht erspart. Durch den tauenden Schnee, so schlimm, das wir später sogar über das Feld liefen. Etwas später begegneten wir einige Menschen und den dazugehörigen Autos. Auf Schultern hatten einige der Männer Gewehr geschultert. Zwei-drei Hunde und ein Pferd gehörten auch dazu. Eines der Autos trug ein britisches Nummernschild. Dieser Brite hatte sich wohl eine Jagt erkauft.
Später auf dem Weg durch den Wald von Martínsberg nach Feldioara fanden wir mit Blut getränkten Schnee.

Ohne Unterbrechung führte uns der Weg durch Bruiu nach Şmartin (dt.:Martinsberg, ung.:Martonhegy).
Obwohl nicht geplant, führte uns der Weg zur evangelischen Kirche. Vielleicht war es dem lauten der Glocken zu verdanken. Den seltsamerweise, läuteten heute die Glocken der evangelische und orthodoxen Kirche abwechselnd schon seit 15min. Wohl zum Anlasses der (heiligen) Maria.
Am Eingang der Kirche begrüßte uns ein kleiner Hund. Das läuten der Glocken erstarb und kurze Zeit später erschien auch der Burghüter an der Tür. Nach einer kurzen Besichtigung und der Besteigung des Kirchturmes erklärte er sich sogar bereit uns den Weg zu zeigen. Etwa 3 km begleitet er uns durch den Wald. Allein nur mit Kompass hätten wir den Weg nur schwer gefunden. Zwar begegneten wir einer Menge Spuren im Wald, aber welcher sollten wir folgen? Immer möglichst nach Süden wie es der Kompass zeigt. Kurz folgen wir einer Wolfsspur. Später, wir sind uns des Weges schon lange nicht mehr sicher, völlig unerwartet taucht vor uns das Dorf Feldioara. Fast am Ziel, noch ein kleiner Abstieg und ein Marsch zum Bahnhof. Längst ist es schon Dunkel.

Einige Tage vorher auf dem Weg von Agnita (dt.:Agnetheln, ung.:Szentagota) nach Sibiu:
Beim trampen wird uns erzählt das Leute aus der Gegend Ziegelsteine aus den drei Dörfern Gherdeal, Bruiu und Şmartin kaufen. Alte Ziegelsteine, aus den Mauern der verlassenen Häuser. Für 2000 – 5000 Euro sei dies billiger als im Fachhandel. Das zehnfache der Summe müsste man dort ausgeben.



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2 Responses to “Keiner zu Haus in Gherdeal/Gürteln”




  1. nächster Halt Sibiu Says:

    Verlassen, Gherdeal…

    “Aus 120 Höfen bestand Gherdeal”, erzählt der alte Mann, welcher uns am Brunnen begegnet. Er Wohnt auf dem kleinen Bauernhof etwas oberhalb, gleich am Brunnen. Die dazugehörige Scheune besteht aus unverputzten Backsteinen und im durchh…

  2. Glenn Says:

    Hallo! Mein deutsch ist leider nicht die beste. Habe ich aber wohl verstanden, dass der alter mann Georg Onghert gestorben ist? Dann ist das wirklich märklich. Ich habe von ihn heute gedenkt! Mit ihn und sein Sohl Helmut haben wir im Sommer getroffen wann wir in Martinsberg war. Der jungste Deutsch Martinsbergs Hans Binder-Lazar ist mit mir und meiner familie nach Gürteln gegangen und dort sprachen wir mit Hrn Helmut (der nicht betrunken war!) und Georg.

    Sehr intressant Ihr text zu lesen!
    Alles gute,
    Glenn, Schweden.

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