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Nächster Halt Sibiu : Tue 5 Feb 2008 : ,

Namenstagsfeier im Lokschuppen der Wusch

Anfang Januar, ich schleiche durch Sibiu/Hermannstadt, auch irgendwann in der Nähe des Bahnhofs vorbei. Ein wolkenloser Himmel, also die besten Voraussetzungen, um Fotos zu schießen.
Am anderen Ende des Bahnhofs, nach Süden hin, überquere ich noch ein Doppelgleis für den ganz normalen Zugverkehr und einer fast mittig montierten Schiene für die Schmalspurbahn – der Wusch.
Etwas weiter hinten zweigt diese Schiene ab und wird zu einem richtigen Schienenstrang. Da andere Passanten kreuz und quer über diesen Bahnhofsteil laufen, folge ich einfach dem Schienenpaar für die Wusch.

50m später taucht vor mir auf der linken Seite ein Haus auf. Das Dach ist neu gedeckt. Etwas später stellt sich dieses Gebäude als Lokschuppen heraus. Die mir zugewandte Seite gleicht eher einem Gewächshaus. Viele der Scheiben sind verdreckt oder zerschlagen und mit Brettern oder Plastikfolien gestopft. Innen verbirgt sich ein Personenwaggon. Schon etwas mitgenommen, aber besser erhalten als die restlichen Fahrzeuge außerhalb des Gebäudes.
Hinter dem Gebäude in Laufrichtung stehen zwei Heizwaggons und vier Diesellokomotiven. Und auf der dem Gewächshaus abgewandten Seite steht noch eine alte und verrostete Dampflokomotive. Alle Fahrzeuge befinden sich in einem erbärmlichen Zustand.
So auch das Auto, welches zwischen den Schienenfahrzeugen steht. Die Spur im Schnee ist noch frisch – also fährt dieses noch. Kurze Zeit später verlassen zwei Männer das Gebäude.
Da ich jetzt nicht mehr so unbehelligt über das Gelände latschen kann, will ich die beiden wegen einen Fotoerlaubnis fragen. In der Annahme genuschelt zu haben, wiederhole ich meine Frage, jetzt etwas klarer. Noch etwas ohne Elan, aber einer der beiden antwortet.
So einfach sei das nicht und er müsse erst mal seinen Chef fragen. Dazu bittet er mich, ihm zu folgen. Der kurze Weg führt uns an je einer Dampf- und Diesellokomotive vorbei. Beide befinden sich rein äußerlich in einem gepflegtem Zustand.

Wir betreten einen Raum und ich bringe nochmals meine Frage vor. Ein Dutzend Augen schauen mich komisch an. “Für wen Fotos? Warum?” etc. Nein, es ist nicht erlaubt, Fotos zu machen.
Ich solle mich aber erst mal setzen und mit anstoßen, denn heute wird der Heilige Ion gefeiert. Einer der Männer hat damit heute Namenstag und dieser wird hier in Rumänienoft ähnlich wie ein Geburtstag gefeiert. Schnell wird mir klar, warum die beiden Herren vor der Tür so verhalten reagierten: Alkohol vermindert die Reaktionsfähigkeit.
Schnell wurde mir ein frisch gewaschenes Glas hingestellt und mit Tuica gefüllt. Angestoßen wird mit einem “La multi ani!”. Nachanderthalb Gläsern des Selbstgebrannten auf leeren Magen kann ich eine geringfügige Verminderung der bewusst-koordinierten Bewegungen feststellen. Ich greife automatisch zu den Knabbereien auf dem Tisch. Von nun an stoße ich zwar an und wünsche “Noroc!”, aber trinke nichts mehr.

Fragen über Fragen – die meisten auf Rumänisch, aber auch Englisch und Ungarisch ist dabei. Drei-, Viermal werden mir die Fragen gestellt – Alkohol macht wohl auch vergesslich.
Die Sache mit der Fotoerlaubnis macht die Runde. Draußen dürfe ich alles fotografieren, aber drinnen nichts. Und wer nun der Chef ist, klärt sich erst zum Schluss. Es folgen Streitgespräche quer über den Tisch über sinnlose Themen. Zwei Inspektoren schauen kurz vorbei – ohne Wein verlassen auch die beiden nicht das Gebäude.

Nach etwa einer Stunde ist mein Kopf wieder klar und tut seinen Dienst wieder. Ich verabschiede mich. Der “Chef” bringt mich nach draußen. Er ist auch jener mit dem Namenstag und dem (am) klarsten (im) Kopf. Am nächsten Tag sei er allein hier. Ich könne vorbei kommen und Fotos machen.

Trotz grauer Wolken bewege ich mich am nächsten Tag zum Bahnhof. Sonderbar, es ist niemand da. Vielleicht ist dies die Fotoerlaubnis? Einige Fotos entstehen.



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