13 Uhr wird der Speisesaal für groß und klein freigegeben. Bis die Ordnung mit Jacke-Ausziehen und Händewaschen hergestellt ist, vergeht noch etwas Zeit. Nach dem ersten Gang mit Ciorba Taraneasca mit Brot folgt auf besonderen Wunsch heute Mamaliga mit Papricas/Geschnetzeltes.
Dies einfache Essen heute ist eine Ausnahme. Sonst kann es der Speiseplan gut mit einem aus einem Restaurant aufnehmen. Zum Nachtisch gibt es Erdbeerpudding. Die Kinder sind begeistert. Nur beim Pudding scheinen einige zu zögern – vielleicht auch nur, weil sich mit diesem so gut spielen lässt. Anne und Tobias sitzen ebenfalls mit am Tisch. Für einen reibungslosen Ablauf sorgend, tragen sie die Schüsseln mit der Ciorba oder Mamaliga hin und her. Der Ruhe wegen getraue ich mir fast nicht, meine Kamera zu benutzen. Ein Foto und das Geschrei nach noch mehr Zuwendung mit der Kamera beginnt von vorn. Die Kinder des Tisches an der Tür waren heute recht laut und nicht nur oben auf dem Tisch gab es Mamaliga. Dafür bekommt jedes Kind am Tisch zwei schwarze Punkte. Schwarze Punkte werden für die nicht so tollen Taten verteilt. Rote hingegen für die Guten. Und von diesen werden heute 2 Punkte pro Kind für jene am Wandtisch festgelegt.
Von 12 Uhr bis 17 Uhr Beschäftigung mit den Kindern und dann anschließend noch eine Besprechung zum vergangenen und kommenden Tag: so sieht das Arbeitsprogramm von Anne und Tobias aus. Und wenn am Samstagnachmittag noch das kurze Zusatzprogramm angeboten wird, wechseln die beiden sich ab.
Im Programm der Kinder sind die Mahlzeiten nur einer von vielen Punkten. Mit viel Abwechslung zwischendurch geht es um die Aufsicht bzw. Hilfe bei den Hausaugaben. Neben gezielter Unterstützung der lernschwachen Kinder, dem Englisch- und Deutsch-Unterricht wird das Programm z.B. mit Bewegungs- oder didaktischen Spielen ergänzt, die Theater- und Tanzkurse nicht zu vergessen. Und vielleicht in Zukunft die Musikgruppe, aber dazu fehlt noch der Lehrer.
Die Uhr zeigt etwas nach 14 Uhr an, als die Kinder sich vor der Tür des Kinderbauernhofes versammeln. An der Hand in Zweierreihen geht es zurück zur Schule.
Der Nachmittag ist zeitlich in drei 40-minütige Blöcke aufgeteilt. Zwei Klassen machen mit jeweils einer der Lehrerinnen ihre Hausaufgaben. Die dritte und übrige Gruppe geht für diese Zeit in die Obhut von Anne und Tobias. Damit jedes Kind einmal zu einem der beiden Freiwilligen kommt, wechseln diese drei Gruppen im Laufe des Nachmittags im Rotationsverfahren ihre Stationen. Anne und Tobias übernehmen jeweils eine Hälfte “ihrer” Gruppe. Während Anne mit den Kindern Neuland betritt und Deutsch mit ihnen übt, ist bei Tobias Englisch dran. Obwohl die Kinder schon in der Grundschule Englisch im Unterricht haben, ist ihr Kenntnisstand oft sehr mangelhaft.
Um die Arbeit mit den Kindern zu strukturieren, setzen sich Anne und Tobias Wochenziele. Anne hat sich diese Woche für die Farben entschieden. Wassermalfarben, Pinsel und ein Blatt Papier liegen heute auf den Schulbänken, um die deutschen Begriffe für Grün, Rot oder Blau zu festigen. Obwohl für meine Augen die Kinder sehr häufig im Klassenzimmer unterwegs sind, entstehen auf den einzelnen Blättern langsam Figuren. Am Ende dürfen die Kinder nach vorn, sich und ihr Werk vorstellen. Natürlich auf Deutsch, soweit es geht: ich heiße, ich wohne und habe gemalt.
Bei Tobias geht es recht lebhaft und lautstark zu. Jedes der Kinder will nach vorn zu ihm. Er flüstert den Kindern Tiernamen ins Ohr und diese dürfen sie nachahmen. Wer von den anderen den Namen des Tieres auf Englisch kennt/errät, darf als nächstes an die Reihe kommen. Später geht Tobias mit einer anderen Gruppe auf den Bauernhof. Dort schneiden sie selbstgezeichnete Tiere aus Pappe aus. Wer fertig ist, muss Tobias den englischen Namen nennen.

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