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Nächster Halt Sibiu : Fri 9 Nov 2007 :

Wo sind die Hermannstädter Störche hin?

(eine nicht ganz ernstzunehmende Betrachtung)

“Wo sind all die Indianer hin.” Mit diesen Zeilen beginnt eines der Lieder der deutschen Band Pur. Und ich frage mich, wo all die Störche aus Sibiu/Hermannstadt hin sind. Obwohl die letzten 3 Jahre in Rumänien gelebt, war ich in Sibiu immer nur kurz und natürlich auch zu selten. Dennoch kann ich mich an das abendliche Geklapper der Störche erinnern, kann dies aber keinem genauen Jahr zuordnen. Um der Gedächtnislücke auf die Sprünge zu helfen, durchforstete ich mein Bildarchiv.  in Wo sind die Hermannstädter Störche hin?Viele Bilder vom vergangenen Sommer sind durch Datenverlust zerstört worden. Aber in der Bildersammlung vom Jahr 2005 werde ich fündig. Auf den Häusern der Str. Balcescu/der Heltauer Gasse gegenüber dem undichten Springbrunnen bzw. dem ehemaligen Geschäft Alcomsib sitzen auf meinen Fotos Störche. Aber nicht die Störche sind das Ausschlaggebende auf den Fotos, sondern die Nester der Störche. Dass sich ein neugieriger Storch diesen Sommer in die Innenstadt von Sibiu verirrt hat, ist sicher des Öfteren vorgekommen und durchaus verständlich. Schließlich war heuer auf den Straßen um den Piata Mare herum viel los.

Vielleicht hätte ich vor dem Schreiben dieser Zeilen den Turm der evangelischen Kirche besteigen sollen. Von dort sind die vielen Schornsteine und Dachkanten viel besser zu überblicken. Vielleicht ließe sich auf diese Weise doch noch ein Storchennest erspähen.
Vielleicht sind die Störche einfach dem Beispiel der Menschen gefolgt: sich am Stadtrand bzw. in den angrenzenden Dörfern ein Grundstück kaufen und dort ein Haus bauen. Nur dass die neuen Storchennester weiterhin ihre traditionelle Form haben werden und nicht so sonderbar aussehen wie die Errungenschaften vieler rumänischer Eigenheimbauer. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Hermannstädter Störche mit Umzugsgedanken getragen haben – sicher schon vor 2 Jahren. Die ständig größer werdende Anzahl der Touristen und der daraus resultierende Lärm und Schmutz. Auch der sich ständig verlängernde Flug, sprich: Arbeitsweg, bis zu den Wiesen und Sumpfgebieten könnte ein Grund für eine Abwanderung sein.

Ich fand jedenfalls das abendliche Klappern der Störche schön. Werde dazu nächsten Sommer ins Nachbardorf Cristian/Grossau fahren müssen. Schließlich ist Cristian das Dorf mit den meisten Storchenpaaren in Rumänien. Und auf einer Fahrt in die Maramures ist mir sogar ein Storchennest mit einer Videokamera aufgefallen – live fürs Internet bzw. der Forschung wegen.

Vielleicht habe ich auch nur einen Stadtratsbeschluss verpasst. Es wäre ja möglich, dass eine Umsiedlung der Störche beschlossen wurde. In den letzten Jahren wurden viele Häuser in der Stadt den früheren Besitzern zurückerstattet. Und mit den bisherigen Besitzern mussten auch die Störche mitsamt ihren Nestern umziehen. Sicher wurden in einigen Häusern die Heizungen umgestellt bzw. die Dächer neu gedeckt. Und in der Annahme, die Störche würden ihre Nester auch neu errichten, wurden die alten Nester in einem Rutsch entfernt.
Sicher hat das abendliche Klapperkonzert einige der neu hinzugezogenen Anwohner gestört. Es ist sicher möglich, eine Beschwerde wegen Ruhestörung bei der Polizei oder beim Rathaus einzureichen. Die vielen Konzerte das Jahr über im Stadtzentrum sind/waren sicher nur halb so laut.

Es gibt sicher noch einige andere Gründe, warum ich in den letzten Wochen einfach kein Storchennest finden konnte. Um diese Jahreszeit sind die Störche schon längst in Afrika. Dort kümmern sie sich im Moment um deren Zweitwohnung.
An den Stoff aus dem Biologieuntericht vergangener Zeiten kann ich mich nur teilweise erinnern. Zum Beispiel dass Störche im Frühjahr immer zu ihren angestammten Nestern zurückkehren. Und nur wenn Störche sich an einem Ort wohlfühlen, beginnen sie mit dem Nestbau.

Es ist aber bei Weitem nicht so, dass Hermannstadt durch den Wegzug der Störche vogelarm geworden wäre. Wie es sich für jede Touristenstadt gehört, gibt es ja die Tauben auf den Plätzen und Straßen. Deren Population ist in den letzten beiden Jahren sicher nicht kleiner geworden bzw. abgewandert. Und diese hinterlassen sicher genauso viel Kot auf den Dächern und Straßen wie die Störche. Durch einen Taubenschwarm wirkt der Große Platz ja auch viel lebendiger. Sibiu bleibt besser in Erinnerung, es werden mehr Fotos gemacht und die Leute erzählen begeistert von ihrem Aufenthalt. Von vielen Leuten gefüttert, sind die Tauben sehr zahm. Vor einiger Zeit sah ich ein Kleinkind auf dem Piata Mare, umringt von Tauben. Im Gehen noch unsicher, fiel das Kind oft hin und dabei auf einige Tauben drauf. Dem Kind und den Tauben ist natürlich nichts passiert.



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2 Responses to “Wo sind die Hermannstädter Störche hin?”




  1. Thomas Borghoff Says:

    Der Horst in der Fußgängerzone in Hermannstadt ist meines Wissens im
    letzten Jahr zerstört worden, irgendwie ging das durch die Zeitungen.

    Hier in Cristian gab es im letzten Sommer 26 besetzte Horste mit
    knapp 80 Jungstörchen. Die meisten dieser Störche brüten kolonieartig
    im Zentrum von Großau zwischen der Kirchenburg und dem Rathaus. Im
    Sommer, wenn die Wiesen, die an den Zibin grenzen, gemäht werden,
    kann man hier ebenfalls sehr viele Weißstörche auf einen Schlag auf
    Nahrungssuche beobachten. Neben den guten Möglichkeiten zur
    Nahrungssuche soll das relativ störungsarme, ruhige Mikroklima in
    Großau für die vielen Störche verantwortlich sein.
    Miruna Gritu, eine Biologin, die zur Zeit, wenn Sie sich nicht gerade
    um ihre zwei kleinen Kinder kümmert, eine Doktorarbeit über das
    Verhalten der Weißstörche schreibt, kümmert sich ein wenig um diese.
    Zusammen mit ihrem Mann hat Sie bereits einige Nisthilfen, die auf
    Strommasten montiert werden und die Störche vor Stromschlägen
    schützen, gebaut. Außerdem hat Sie zur Zeit auch drei Störche, die
    irgendwie verletzt waren und es nicht nach Afrika geschafft haben, in
    ihrem beheizten Gewächshaus in Pension. Ein Bild eines dieser Störche
    sieht man auf der Website von Jakob Horstmann.
    http://web.mac.com/madeleinehelmer/Albums/Jakobs_Work.html
    Für diese Störche sucht Sie übrigens noch Futterspender. Weißstörche
    sind nähmlich reine Fleischfresser und futtern eine ganze Menge (ca.
    1kg pro Tag, im Gewächshaus weniger). Eine Kamera, mit der Sie einen
    Horst rund um die Uhr beobachtet, hat Sie während der Brutsaison
    übrigens auch installiert.
    Zur Zeit gründen wir einen, allerdings noch sehr kleinen,
    Storchfreundeverein. Ich versuche gerade mit Euronatur (Stiftung
    Europäisches Naturerbe) Kontakt aufzunehmen. Dort wird alle paar
    Jahre ein “Europäisches Storchendorf” ausgelobt. Da könnten wir uns
    ja auch mal bewerben. Ansonsten scheint sich der Verein Milvus
    ebenfalls recht aktiv dem Storchenschutz anzunehmen. Dieser hatte
    dieses Jahr auch zwei Banner in Cristian aufgestellt, auf denen auf
    die hohe Storchdichte aufmerksam gemacht wurde. Die meisten
    Milvusmitglieder gehören allerdings der ungarischen Minderheit an und
    sind daher vor allem in dem Dorf Dumbravioara, in der Nähe von Targu
    Mures, wo es wohl auch recht viele Weißstörche gibt, aktiv.

  2. Die Rückkehr der Hermannstädter Störche? » Nächster Halt Sibiu » Says:

    [...] http://rumaenien.projekt-one.de/2007/11/09/wo-sind-die-hermannstaedter-stoerche-hin/ [...]

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