the_titl
Dampflokomotive : Fotos, Nächster Halt Sibiu : Mon 22 Oct 2007 : , , , ,

Mit Dampf dem Wassertal hinauf

Obwohl noch einige der Mitfahrer am Ende des Waggons auf der Einstiegsplattform stehen, kehrt langsam etwas Ruhe ein. Einige der Touristen haben sich schon der 2. Bierflasche gewidmet während andere zu ihrem Frühstück die gemächlich vorbeiziehende Landschaft genießen. Obwohl die Waldbahn von Viseu de Sus in Europa sich einer großen Bekanntheit erfreut, sind heute nur eine Handvoll ausländischer Fahrgäste mit von der Partie. Neben einer rumänischen Schulklasse sind auch 2 Familien mit dabei.
Bis vor knapp 80 Jahren wurden die Baumstämme noch dem Fluss hinunter geflößt. Da die “Vaser” dafür aber zu wenig Wasser führt, wurde im oberen Teil des Tales ein Wehr errichtet. Durch Öffnen des Wehres wurde eine künstliche Flut geschaffen, auf welcher die Baumstämme nach Viseu de Sus geflößt wurden. Ab 1932 übernahm die Wassertalbahn diese Aufgabe. Früher waren auf dieser Schmalspurstrecke nur Dampflokomotiven unterwegs, heute werden sie nur in Notfällen eingesetzt bzw. um die Heerscharen von Touristen zu befördern. Für den Produktionseinsatz fahren heute vermehrt Diesellokomotiven das Tal hinauf. Zum Abend hin, wenn die Lok mit 10-20 beladenen Waggons zurück zum Sägewerk fährt, rollen die Wagen fast von ganz allein. Um das aber in einem zu hohen Maße zu verhindern, fährt auf jeden Waggon ein Bremser mit. Die Bremser stehen auf kleinen Plattformen und auf ein Signal des Zugführers hin bremst jeder seinen Waggon etwas ab.
Selbst wenn die geringe Steigung für den Fahrgast kaum spürbar ist, muss die Dampflok auf dem Weg nach oben mit Wasser “betankt” werden. Der Holzvorrat hingegen reicht vollkommen aus. So folgt heute bei Km 21,9 kurz vor einer kleinen Brücke der nächste Stopp. Noch ist der Grund der Pause unklar, aber auch nicht jeder interessiert sich dafür.  in Mit Dampf dem Wassertal hinauf Einige verschwinden in die nahen Büsche, andere laufen zur Vaser hinüber. Der Lokomotivführer jedoch verlegt einen seitlich an der Lok befestigten Wasserschlauch in den kleinen Bach, um die beiden großen Wasserbehälter aufzufüllen. Bis das Pfeifsignal zur Abfahrt kommt, dauert es etwa 30min. Bis dahin klettert das Zugpersonal des Öfteren über die Lok, um an irgendwelchen Hebeln zu rütteln oder an den Wasserbehältern zu klopfen. 3000l würden reinpassen erzählt der Schaffner. Eine große Zahl der Touristen lassen sich mit einem der Lokomotivführer fotografieren. Andere versuchen, technische Details zu erhaschen oder zwanghaft ihre Alkoholflasche an die 3 Männer des Zugpersonals zu bekommen. Ein Kind darf sogar in den Führerstand und die Signalpfeife ertönen lassen.
Am Wegesrand tauchen immer wieder einige Häuser auf, Häuser welche nicht nur von den Waldarbeitern bewohnt werden. Es folgt ein sehr enger Talabschnitt, in dem die Schienen durch 3 Tunnels führen. Natürlich ist auch dies eine Herausforderung für jeden Fotoapparat im Waggon. Die Sonne hat den Zug schon fast in ihrer Gewalt als ein kleiner Bahnhof in Sichtweite kommt und der Zug dort zum Stehen kommt. Etwa 5min Pause, in der es vergebliche Kommunikationsversuche über verschiedene Funkgeräte mit dem nachfolgenden Zug gibt. Kurz nach Verlassen  in Mit Dampf dem Wassertal hinaufdes Bahnhofes und der Passierung einer Weiche fängt unser Waggon an zu knattern und zu ruckeln. Der Zug kommt zum Stehen und sofort springen sämtliche Fotografen nach draußen, um den Grund des Ganzen festzustellen und natürlich zu verewigen. Ein Achsenpaar des vorderen Drehgestells unseres Waggons ist aus den Schienen gesprungen.
Für das Zugpersonal gehört dies zu den alltäglichen Vorkommnissen. Man sieht schnell, dass sämtliche Werkzeuge für solche kleinen Unfälle ständig mitgeführt werden. Auch den sicherlich etwas nervigen Hinweisen der Zuschauer scheinen sie gelassen gegenüber zu stehen. Aber schließlich ist ja jeder an einem schnellen Vorwärtskommen interessiert. Denn obwohl die Sonne scheint, liegen die Temperaturen scheinbar recht nahe am Gefrierpunkt. Nach einigem Hin- und Herfahren und dem Unterlegen zweier Metallplatten in V-Form geht die Fahrt nach 20min weiter.



Hinterlasse einen Trackback

2 Responses to “Mit Dampf dem Wassertal hinauf”




  1. Webnews.de Says:

    Mit Dampf dem Wassertal hinauf…

    “Abfahrt 8:30Uhr” steht mit Kreide geschrieben auf der kleinen Tafel am Bahnhofsgebäude in Vise…

  2. Samuel Says:

    Servus Markus,

    super Artikel mit echt tollen Bildern!

    Gruß Samuel

Leave a Reply

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung - www.vorratsdatenspeicherung.de