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Neues aus Bukarest : Tue 4 Sep 2007

Eine europäische Mentalität braucht das Land

die letzten 2 Monate war ich sehr häufig an den Wochenenden unterwegst. Oft habe ich mich an die Straße gestellt und Minuten oder auch viele halbe Stunden auf gnädige Autofahrer gewartet. Teilweise habe auch LKWs angehalten und mich ein Teil der Strecke mit genommen. Mal sind sie recht schweigsam und mal wieder recht gesprächig. Und mal versucht man selber ein Gespräch an zu fangen.
Oft werde ich mit Meinungen&Ansichten über Deutschland konfrontiert welche ich in das Reich der Mythen&Sagen ab zuweisen versuche. Oft werden mir aber auch Fragen über Deutschland& deutsch-Sein gestellt welche ich gar nicht mehr richtig beantworten kann. In den 3 Jahren sind mir so viele Sachen begegnet, habe ich so viele Sache mit denen aus “meinem bekannten Deutschland” verglichen das ich eigentlich garnicht mehr genau sagen wie es den nun wirklich dort ist. Oft kann ich nur noch Vermutungen anstellen. Und oft tut es innerlich etwas weh, weil ich dann immer wieder erkennen muss das nun wirklich nicht immer so toll ist wie man es gern nach Außen zeigen möchte.
Unabhängig davon was ich über mein Heimatland denke, reden die Rumänen zu welchen ich ins Auto steige selten gut über ihr eigenes Land. Irgendwann nach den Fragen was einen ins Land geführt hat, was man hier tut und und es einen hier so gut gefällt fangen sie an zu erzählen was alles in ihrem Land schlecht ist, was nicht sein sollte etc. Oft sprechen sie dann im Zusammenhang mit der Europäischen Union.
Obwohl Rumänien nach den Erkenntnissen der Geografie schon lange in Europa liegt, scheint das für viele rumänische Bürger nicht selbst verständlich zu sein. Obwohl Rumänien mit den vielen verschiedenen Nationalitäten und Religionen das vielleicht das “europäischste” Land in Europa ist, fühlt man sich erst mit dem EU-Beitritt Europa zugehörig. Für was oder wozu haben sich die Rumänien bis 2006 gehalten? Ich kann es nicht sagen. Jedenfalls zum Balkan nicht wie man es teilweise oft einordnet was sicherlich nicht falsch ist. Aber alles was mit Balkan zutun hat gehört hier zu den geächteten Sachen. Mit Balkan verbindet man hier eine Wildwestmanier welche man auf keinen Fall angehören will. Es geht wie so oft um das Image nach Außen ohne das man versucht stolz auf etwas zu sein bzw auf etwas vorhandenes zu bauen. Es klingt fast nach etwas Orientierungslosigkeit.
Aber zurück zur neu gewonnen europäische Zugehörigkeit. Wenn die Leute schon positiv über den EU-Beitritt sprechen dann schon mit etwas Stolz und Ernsthaftigkeit in ihrer Stimme. Aber schnell springen sie wieder auf die alte Schiene um und suchen das Negative. Der allgemein vorhandene Stolz über ihr Land wandelt sich in die Stimme eines Beobachtes bzw eines Richters: es gibt zu vieles was nicht gut ist. Man muss die gesamte Mentalität ändern um etwas zu bewirken. Das Land braucht eine europäische Mentalität und nicht die bisherige rumänische Mentalität hörte ich die letzten Monate sehr oft. Bis es soweit sei würden noch 20-30 Jahre vergehen. Vielleicht geht es nur mir so aber solche Aussagen klingen nach Unwissenheit. Vorstellungen die aus einseitigen Informationen beruhen. Sie scheinen vergessen zu haben das Europa aus nen Haufen verschiedener Länder und damit verbundenen Mentalitäten besteht und nicht aus einem Block von Menschen. Es gibt viele Sache in den Ländern der EU welche “gleichgeschaltet” sind um möglichst für jeden in jedem Land gleich Bedingungen zu schaffen. Gleichzeitig geht es jedoch um die Förderung und Erhalt der einzelnen Individuen und Gruppen. Wenn gleich das auch nicht immer zufrieden stellende gelingt. So gesehen stellt sich schon die Frage was den diese europäische Mentalität ist ob es sie überhaupt gibt. Und dazu wird es wohl ähnlich viele Meinungen geben wie die EU Bürger hat. Für mich ist es eher ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Ein Gefühl für etwas Verantwortlich zu sein. Sich nicht mehr nur um den eigenen Teller zu kümmern sondern auf zu schauen und mit anderen “Tellerbesitzern” zusammen tun und unterstützen. – Und nach diesem/meinem Maßstab ist es wirklich noch ein weiter Weg.
Aber ist sie den wirklich notwendig diese europäische Mentalität? Zumal es sie wohl nur in den Köpfen der Rumänen gibt. Den Autofahrern erkläre ich das es es oft nur an wenigen Dingen und an jedem selber liegt diese zu ändern um etwas zu verbessern. Thumbs PICT3194 in Eine europäische Mentalität braucht das Land Aber das stößt oft auf taube Ohren. Man erwartet hier eher einen Ruck aus der Politik dem man sich anschließen kann. Böse formuliert erwarten die Leute einen starken Mann als Leitfigur fast wie in den alten Zeiten.Aber der eigentlich Anlass zu diesem Beitrag ist ein riesiges Werbeplakat in der Innenstadt von Bukarest. Für ein neues Wohngebiet wird mit den Worten “Wir bauen die erste europäische Stadt in Rumänien. Sei auch du ein Europäer [...]!” geworben.



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One Response to “Eine europäische Mentalität braucht das Land”




  1. Webnews.de Says:

    Eine europäische Mentalität braucht das Land…

    Aber zurück zur neu gewonnen europäische Zugehörigkeit. Wenn die Leute schon positiv über den EU…

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