Neues aus Bukarest : Tue 21 Nov 2006 : ,

Museum der grimmigen Gesichter

damit bezeichne ich die ersten 2 Ausstellungsetagen des “Muzeul National de Arte al Romaneie” hier in Bukarest. Mich darf man ruhig der Ecke der Kulturbanausen zuteilen. Sonst führen mich meine Wege an solchen Museen vorbei und nicht hinein. Wenn Man/n mich dazu einlädt sehe ich dann solche Gebäude schon mal von innen. In diesem Fall war`s Frau.
Zurück zu den 2 Etagen dieses Museum`s. Mit etwas Vorüberlegungen hätte ich auch erraten können was ich dort zu sehen bekomme: vorwiegend Erzeugnisse welche eng an die Orthodoxe Kirche geknüpft sind.(Der Kunstliebhaber möge mir den Begriff Erzeugnisse verzeihen). Also Bilder auf welchen Personen aus der Bibel zu sehen sind. Mit Popen(orthodoxe Pfarrer). Oder anderen Heiligen. Gewänder/Umhänge der Popen für den Gottesdienst. Da ich aber nicht zu den Besuchern eines orthodoxen Gottesdienst gehöre, war ich nicht im Stand die Gewänder den Festlichkeiten bzw. Bedeutungen zu zuordnen. Zu jedem Ausstellungsstück gab es einen dreisprachige Erklärung -Rumänisch, Englisch und Französisch. Wobei die Erklärung im englischen und französischen recht kurz gefasst waren: Jahr,-huntert, Name, und Herkunft. Also für die Rumänisch sprechenden Besucher welche wohl 80-90% der orthodoxen Kirchen angehören gab es dann 4-5 erklärende Wörter mehr. Aber jene sollten doch die Bedeutung des Dargestellten kennen.? Wem jetzt gerade nicht klar ist was ich meine -ein Beispiel auf Deutschland bezogen: ein Bild mit der Mauer im Museum. Auf Deutsch ist zu lesen: “Grenze zwischen der DDR und BRD auf einer Länge von 1400km, von dann bis dann”. Der Englisch sprechende Besucher darf lesen: “The wall”

Weiterhin waren Metallgegenstände für den Gottesdienst zu sehen: also Weihrauchbehälter oder wie es halt auf Englisch geschrieben war. Warum wird so etwas ausgestellt? Ach ich vergaß rumänische Kunst ist eng mit der Kirche verbunden. Also was macht die orthodoxe Kirche mit Weihrauch? Und warum muss es dafür extra Gefäße geben? Ich, Protestant kenne Weihrauch nur vom Grippenspiel am Heiligabend. Wenn einer der 3 Könige umhüllt von Qualm durch die Kirche marschiert und die umsitzenden Leute durch den aufkommenden Hustenreiz störende auffallen.
Okay, vielleicht kann mir das mit dem Weihrauch draußen jemand erklären. Den das Mussumspersonal sieht ja auch nicht sonderlich kompetent aus. Weiter zum nächsten Ausstellungsstück. Chair. Stuhl. Man ist das ein großer Stuhl. Sogar mit Dach. Was hat den das mit Kunst zu tun? Na gut -die Schnitzerein an den Seitenteilen und am Dachgebälk sehen ja ganz gut aus. Aber warum ist so ein Stuhl wichtig. Was hat der in der Kirche zu suchen? In meiner Heimatkirche reichen doch auch die nicht immer bequemen Bänke/Stühle aus. Und der Pfarrer hat seine Kanzel.
Chair -mehr will mir das Schild neben dem Stuhl nicht erzählen. Nur noch die Jahreszahl und die Region. Die Jahreszahl “1673″ wirkt vielleicht beeindruckend. Aber für mich als Kulturbanause sehen die Stühle in den 2 Etagen von 1632, 1673 und 1854 ja fast gleich aus. -Danndnoch nicht mehr so beeindruckend. Halt nur mal ohne Dach und dann mit. Da ist wohl die Zeit etwas stehen geblieben. Und es geht in diesem Museum ja um die Kunst des rumänischen Volkes. Also hat Kunst der Minderheiten dort ja nichts zu suchen -jedenfalls ist das mein Eindruck. Oder haben die Minderheiten jemals Kunst hervorgebracht? Bauwerke der verschiedenen deutschsprachigen Minderheiten gibt`s ja zur Genüge. Aber Kunst?

Zurück zum Gesehenen. Gesehen habe ich auf den Darstellungen in den ersten 2 Etage nur Gesicht mit einer grimmigen, ehrfürchtigen oder ängstlichem Körperhaltung bzw. Gesichtsmimik. Auf einige Gemälden sind die Gesichtsregionen um die Augen verwaschen, so das die Gesichtsausdrücke undeutlich sind.
Und was soll nur der 08-15 Tourist denken?
Mensch haben/hatten es die Orthodoxen schwer. Dürfen nicht lachen, müssen ehrfürchtigen den Popen anschauen und müssen wohl jeden Sonntag im Weihrauchnebel ihren Husten unterdrücken um in den Himmel zukommen.?
Auf dem nächsten Schild steht: The Virgin. Die Jungfrau. Okay das bedarf jetzt nicht unbedingt einer Erklärung.

Das Museum hat noch eine 3.Etage. Auf den Weg dort hin werden die Gesichter langsam freundlicher. Das mag aber einfach am Wandel der Zeiten liegen. Landschaft. Alte Frau. Eine Skulptur: Jesus und Maria-Magdalena. Oder eine grimmige dreinschauende Frau mit einem “fröhlichem” Hund. Ausstellungsgegenstände welche auch ohne große Beschriftung auskommen

mfg
markus



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