the_titl
Besucher : Praktikumsbericht : Thu 11 Nov 2004 : , ,

Str. Lipscani

(Bericht November 2004 für Copiii Europeiii,
Markus Gärtner, Diakonie/Sozialstation Bukarest)

in manchen Touristenführer wird sie auch oft als Leipziger Straße bezeichnet. Ihre Länge würde ich auf 200-300 Meter schätzen und sie verläuft südlich der Universität in O-W-Richtung. Damals vor 250 Jahren war sie das Zentrum und heute liegt sie im geographischen Zentrum. Ungefähr bis 1900 wurde hier reger Handel getrieben. Waren wurden auf der Leipziger Messe eingekauft und über mehrere Wochen (6-8 Wochen -eine Tour )hinweg nach Bukarest gefahren. Im Jahre 1726 traffen 8 Wagen aus Leipzig in Bukarest ein. Die Händler waren Rumänen, Bulgaren, Griechen, Serben und aber auch Deutsche. Der Handel war so auf deutschsprachige Beziehungen aufgebaut das sogar die Handelkorrespondenz auf Deutsch geführt wurde. Durch den Handel entstanden ansehnliche Häuser, der Buchdruck wurde gefördert und Technik aus dem europäischen Westen eingeführt.
Die Gegend um die Leipziger Straße wird auch als Altstadt bezeichnet. Man kann hier noch von Gassen reden, hier und da hat man Einblicke in die Hinterhöfe. Und kann nur vermuten wie es damals nur so von Händlern wimmelte.

Thumbs 2004 11 14 11 in Str. Lipscani

Thumbs 2004 11 14 12 in Str. Lipscani
Str. Lipscani Hinterhof/Seitenstraße

Angeblich soll es hier auch heute noch diese (Wochen)-Märkte geben. Bis jetzt kenne ich die Straße nur bei Nacht und bei Tageslicht im Regen. So sind mir hier ne ganze Menge an Läden für Hochzeitskleider aufgefallen. Und zur nächtlichen Stunde zieht es die Bukarester Jugend hier her, vielleicht auch die älteren Generation. Im Umfeld befinden sich ne ganze Menge an Clubs und Bars. Gara Lipscan und FireClub um nur zwei zu nennen.
Warum schreibe ich überhaupt über diese Straße?
Anstatt nur über meine Arbeit zu schreiben will ich ja auch schließlich etwas vom Land und den Leute hier weitergeben. Mal sehn -vielleicht werde ich jetzt jedes Mal etwas zu diesem Thema schreiben. Und selbst als oft hergereiste “Touri” erfährt man immer wieder was Neues. So war ich dieses Wochenende mit nem Freund im “Casa de Popurlutiara”(Haus des Volkes, Europa’s größtes Gebäude) und haben erfahren das niemand erfahren hat wie viel der Bau des Palastes gekostet hat. Ebenfalls ist nicht gekannt wie viel Gold für Verziehrungen dabei verwendet wurde. Die Eintrittspreise waren doch ganze schön gepfeffert find ich. 200.000Lei für Ausländische Besucher + 300.000Lei für die Fotografieerlaubnis. Aber für das Geld hat man zu wenige gesehen. Aber immer hin gehört ne Führung dazu.

Thumbs 2004 11 12 28 in Str. Lipscani

Sitzungszimmer, 66 Stühle gehören zum Tisch, der letzte (67.) mit Goldverziehrung ist noch nicht fertig bzw. noch in Planung Blick vom Balkon, auf dem grünen Mittelstück der vor uns liegenden Straßen befinden sich Springbrunnen, die Länge der hier sichtbaren Straße beträgt ca. 3km

Thumbs 2004 11 12 37 in Str. Lipscani Der große Tanzsaal, die Verziehrungen an den Wänden sind alle mit Goldüberzug

Obwohl die Aussicht vom Balkon war net so schlecht. Aber vom 14 Stock wäre sie bestimmt noch besser gewesen. Dann sieht man wenigsten was Größenwahnsinn alles bewegen kann. Der Tag heute wird wohl als mein längster Arbeitstag hier als Praktikant in die Geschichte eingehen. Zusätzlich zum normalen Programm 9-17Uhr, wurde heute noch gegen 19Uhr eine blinde Frau in die Diakoniestation geholt. War schon ein Stück Arbeit sie in die Dacia zu setzten. Sie und ihre Pflegerin bleiben die Nacht über hier und morgen früh wird sie nach Brasov ins Altenpflegeheim gefahren. Obwohl ich jetzt vorm Rechner sitze und den Bericht fertig schreibe habe ich trotzdem noch zutun. Zeigen wo die Pampers liegen, größere Hausschuhe suchen, oder das etwas später Abendbrot zubereiten. Oder mir das Gehschimpfe der Pflegerin anhören weil irgend etwas nicht da ist. Aber irgend wie macht das sogar Spaß ihr dabei zuzuhören. Zugegeben mit dem rumänischen klappt es noch nicht so ganz. Und morgen früh gegen 7Uhr muss ich die Tür öffnen damit ihr Sohn ihr die Insulinspritze verabreichen kann. Danach Frühstück machen, und warten bis das 3er Gespann Richtung Brasov abfährt. Und irgendwann gegen 9Uhr geht es zum Großeinkauf. Dazwischen will ich selber auch noch frühstücken, etc. -wird wieder mal etwas hektisch. Aber dafür ist morgen mal wieder so ein Tag wo ich fast allein im Haus bin und so halb den “Laden schmeißen muss”. Keine Ahnung wann ich heute Abend in mein Zimmer wanke um mich schlafen zulegen. Jetzt ist es 23:22Uhr und ich muss noch den Dacia umparken und einkaufen will ich auch noch. Da werd ich wohl wieder nicht zum selbst auferlegtem Vokabel lernen kommen. …
Inzwischen war ich auch einkaufen. Werde jetzt den Bericht abschließen und den Dacia umparken.

Also dann bis zum nächsten Mal!

Quelle:Hans Liebhardt, Deutsche in Bukarest, Zwei-drei Jahrhunderte erlebter
Geschichte, ADZ-Verlag, 2003



Hinterlasse einen Trackback

Leave a Reply

Stoppt die Vorratsdatenspeicherung - www.vorratsdatenspeicherung.de