Neues aus Bukarest : Thu 21 Oct 2004

1000kg Kartoffeln

Hallo,

hab ich euch schon von den am häufigsten gestellten Fragen erzählt? Okay hier in der Dialogform:
1: Rumäne/in: hast du eine Freundin?
MG: nein
Rumäne/in: warum nicht?
MG: naja, äh

2. Rumäne/in: wie Lange bleibst du in Rumänien?
MG: 6 Monnate oder länger
Rumäne/in: das ist aber schön Rumäne/in: vielleicht findest du eine Freundin und dann bleibst du 2 Jahre hier. Aber hier in die Diakoniestation kommen leider nur alte Leute her. Aber vielleicht haben die ja schöne Enkeltöchter.
3. Oma: Woher kommst du?
MG: aus Dresden
Oma: was aus Essen, das ist aber schön
MG: (diesmal etwas lauter) nein aus Dresden
Oma: das ist aber auch schön, da war ich 64, 76, 78. Eine Schöne Stadt

4. … fällt mit grad nicht ein.

5. ebenfalls nicht

Manchmal schüttelt man nur den Kopf und fragt sich in welcher Welt man gelandet ist. Oder denkt daran Karteikarten mit den fertigen Antworten anzufertigen und auf Befehl hoch zuhalten.
Und inzwischen bin ich dazu über gegangen Neulinge aus Deutchland bei der Frage mit der Freundin zu empfehlen: einfach JA zusagen.
Zugegeben das kannte ich ja schon. Aber wenn einen das in 3 Tagen 5 mal gestellt wird, dann kann das schon etwas and der Gedult zerren. Oder einfach nur zum schmuzeln anregen und man zählt schon die Minuten bis der nächste diese Frage stellt.

Wer von euc hat schon mal nen Hühnerstall ausgemisttet? Oder Schweinstall, etc. Wer meint das sei ein grässlicher Geruch hätte heute mal hier machen sollen. Heute Vormittag haben wir zu viert das Zimmer eine älteren und blinden Frau ausgeräumt. Dort drin hat es schlimmer als in irgend einen Stall gestunken. Auch wenn die bäuerlichen Zeiten bei mir etwas zurück liegen und ich daher doch gewissen gewohnt war/bin. So war ich doch heute wirklich über die Gummihandschuhe und extra Kleidung froh. Die Frau lebt in dem Zimmer schon 5 Jahre und seit einem Jahr war dort niemand mehr von der Diakonie. Seit dem wurde sich um die Frau ausser tägliches Essen nicht gekümmert. Und der Sohnemann welcher der Diakonie die Pflege vor einem Jahr untersagte wohnt auf der anderen Seite der Wand.

Ach und gestern waren wir wieder 1000kg Kartoffeln kaufen, ebenfalls wieder in Vulcan bei Braşov (dt.: Wolkendorf, ung.: Szaszvolkany). 3,5 Stunden hin und wieder zurück. Als Beifahrer ist das schon etwas öde. Naja meine Arbeistkollge Ionuţ ist schon etwas überzeugt von sich. Besonders beim Thema Auto/fahren. Kann zwar manch mal interessant sein wenn er von der seiner langjährigen Fahrerlebnissen erzählt. Aber doch relativ oft geht das in die Richtung Angeben über. Und da ich nicht viel Rede tut er es. Und manch mal kommt mirs vor als sitzt ein Kind neben mir und will mir von irgendwelchen Lebensweisheiten erzählen die ich angeblich auch noch lernen müsste. [Aber wenn man halt etwas schweigsam wie ich ist, wird man oft für nicht so ganz erfahren/schlau gehalten. Aber eigentlich ist es auch oft der andere, der unfähig zu erkennen ist -was sich in dem anderen wirklich bebirgt.]
Aber dabei müsste Ionuţ noch einiges Lernen. Wenn er mir über seine Geldsorgen erzählt und dann aber am nächsten Morgen irgend etwas in seinem Matiz eingebaut hat. Oder mir von seinem teueren DVD-Player erzählt der ja bedauerlicherweise keine DivX-Filme abspielt. Den er auf Raten gekauft und immer noch zahlt. Oder wenn er am Straßenrand als Ortodoxe und verheirateter Ehemann ner anderen Frau hinterher schaut und sagt: “good to f***”. Auch wenn er und seine Monik ein ganz nettes Ehepaar abgeben. So kommt doch gegelegendlich zum Vorschein das sie noch nicht ganz in der Neuzeit angekommen sind. Ich darf an die Zeiten erinnern als die Frau noch zutun hatte was der Mann sagte. Aber anderes Land, andere Sitten.
Inzwischen bin ich schon fast 3 Wochen hier. Und ich hab noch nicht groß begonnen mich intensiv mit der rumänischen Sprache zu befassen. Entweder unterhalte ich mich in Englisch oder Deutsch. Aber diesen Montag hatte ich mir vorgenommen täglich einige Vokabeln zulernen. Das durch zuziehen ist gar nicht so leicht. Zeit hätte ich ja, jedenfalls von der Theorie her.



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